Lesezeit: ca.

Voice Commerce Trend: enormes Potenzial für deinen Onlineshop

von David Klein

Digitale Sprachassistenten werden heute bereits in vielen alltäglichen Situationen eingesetzt: morgens beim Aufstehen für die Wettervorhersage, unterwegs zur Arbeit für die aktuellen Verkehrsmeldungen und abends, um den Wecker für den nächsten Tag einzustellen. Aktuell nutzen die Deutschen Alexa und Co. hauptsächlich zum Abspielen von Musik (69 Prozent) oder Vorlesen von Nachrichten (72 Prozent). Doch zunehmend wächst auch hierzulande das Potenzial von Voice Commerce: Deine Kunden kaufen deine Produkte ganz einfach online per Sprachbefehl. In den USA hat sich das Voice Shopping bereits fest etabliert – Walmart und Target ermöglichen mit Google Assistant sprachgesteuerte Einkäufe. Kunden müssen ihre Einkäufe lediglich abholen oder lassen es sich ganz bequem nach Hause liefern. Laut einer Deloitte Studie könnte Voice Commerce bis 2030 auch in Deutschland rund 30 Prozent der E-Commerce Umsätze ausmachen.

In unserem Blogbeitrag erfährst du, warum dein Onlineshop vom Voice Commerce Trend nachhaltig profitieren kann und wie du diesen optimal darauf ausrichtest.

 

Überblick

  1. Voice Commerce Definition
  2. Funktionsweise
  3. Technologie
  4. Alexa, Siri und Google Assistant
  5. Potenziale für Onlinehändler
  6. Vorteile für Kunden
  7. Akzeptanz
  8. Kontrolle über Kundenzugang
  9. Beispiel Walmart Assistant
  10. Zukunftstrend
  11. Fazit

 

Voice Commerce Definition

Voice Commerce ist ein Teil des E-Commerce, der Sprachassistenten als Technologie nutzt. Dabei bezieht sich Voice Commerce im engeren Sinn ausschließlich auf die Abwicklung der Transaktion über Sprachassistenten. Grundsätzlich umfasst Voice Commerce aber alle Aktivitäten der Kaufanbahnung über Sprachassistenten – auch solche ohne Kaufabschluss.

Für Voice Commerce ist lediglich die richtige, über Sprache funktionierende Technologie notwendig. Die Grundlage ist ein Voice User Interface (VUI), durch das deine Kunden mit einem System über Sprache interagieren – beispielsweise ein Smartphone oder ein „HomePod“. Zusätzlich bedarf es eines Sprachassistenten wie Siri oder Alexa. Denn erst diese persönlichen, intelligenten und digitalen Assistenten führen mithilfe von gesprochenen Anweisungen die gewünschte Aktion in deinem Onlineshop aus. Insgesamt werden deine User über Voice Commerce unabhängiger von einer Hardware: Mit der Technologie suchen und kaufen sie Produkte online ganz einfach per Sprachbefehl.

Voice-Commerce_APPLE

© Apple

So geht’s – auf einen Blick

  1. Kunde besitzt Gerät mit Sprachassistenz (z. B. HomePod)
  2. Kunde aktiviert über Befehl „Hey Siri“
  3. Kunde nennt Triggerwort „Siri, bestelle Jura Kaffeemaschine“

Ganz wichtig für die erfolgreiche Bedienung von Sprachassistenten ist die Aussprache und Intonation der User! Beim Voice Shopping läuft der gesamte Vorgang über Sprache als Eingabe- und Ausgabekanal – mit Künstlicher Intelligenz (KI) in der Mitte.

 

Die Technologie hinter Alexa und Co.

Durch KI ist Spracherkennung möglich: Beispielsweise lernt Alexa Vokabular, Sprachgewohnheiten sowie persönliche Präferenzen der jeweiligen User schneller, je häufiger sie das digitale Spracherkennungssystem von Amazon nutzen. Schließlich verfügt Alexa in der Cloud über eine Art digitales Gehirn – es lernt ständig dazu und wird laufend um neue Features erweitert.

Zusätzlich nutzt Alexa die Echo Spatial Perception (ESP) Technologie. Darüber können User mehrere Geräte mit Sprachassistenz gleichzeitig steuern. Mit der ESP antwortet immer das Gerät, das zu der sprechenden Person am naheliegendsten ist.

 

Voice Commerce mit Alexa, Siri oder Google Assistant

Die auf dem Markt aktuell gängigsten Sprachassistenten sind Alexa (Amazon), Siri (Apple) oder Google Assistant (Google). Neben den Assistants liefern die genannten Unternehmen auch firmeneigene Speaker. Alexa ist beispielsweise auf Amazon Echo sowie auf Geräten externer Hersteller verfügbar. Ebenso ist Google Assistant auf Google Home und weiteren Geräten abrufbar. Lediglich Apple verfolgt eine restriktive Lizenzpolitik: Siri gibt‘s nur auf dem firmeneigenen Speaker „HomePod“.

Tabelle-Voice_Commerce

Tabellarische Übersicht Alexa, Siri und Google Assistant

Durch ihre offene Lizenzpolitik erzielen Amazon und Google eine große Reichweite sowie Nutzung ihrer Sprachassistenzsysteme – denn die Hardware von Drittanbietern ist häufig kostengünstiger. Deshalb etablieren sich die beiden Systeme gegenwärtig als hardwareübergreifende Standards.

 

Auf den Zug aufspringen: Voice Commerce boostet deinen Onlinehandel

Als Onlinehändler solltest du den Voice Commerce Trend unbedingt im Blick behalten – denn das Shopping über Sprachassistenten hält für deinen Onlineshop enorme Potenziale bereit:

  • Zusätzliche Cross und Upselling Möglichkeiten
  • Technische Hürden für den Kunden minimieren
  • Kauferlebnis weiter personalisieren
  • Weiterer Kanal zur Kundenansprache

Das verschafft dir eine größere Zielgruppe und ermöglicht dir zugleich eine gezieltere Ansprache! Gleichzeitig finden deine Kunden durch Sprachsteuerung einfacher, wonach sie tatsächlich suchen – und das reduziert Kaufabbrüche, was sich wiederum positiv und nachhaltig auf deinen E-Commerce Erfolg auswirkt. Wichtig: Diese Potenziale unterscheiden sich je nach Marktteilnehmer.

 

So profitieren deine Kunden von Voice Commerce

Neben den Vorteilen für deinen Onlinehandel glänzt Voice Commerce auch auf Seiten deiner Kunden! Hier ist Bequemlichkeit der größte Pluspunkt. Aber auch die 24/7 Verfügbarkeit sowie sekundenschnelles Einkaufen inklusive individuellem Kauferlebnis sorgen für ein rundum komfortables Shopping.

  • Bequemlichkeit

Deine Kunden benötigen lediglich ein VUI und ihre eigene Stimme. Damit können sie während dem Kochen, Putzen oder sogar beim Autofahren ganz bequem einkaufen – so einfach war Onlineshopping noch nie!

  • 24/7 Verfügbarkeit

Wie bereits in jedem Onlineshop haben deine Kunden auch beim Voice Commerce rund um die Uhr die Möglichkeit einzukaufen. Das Besondere? Dank der Voice Technologie gehören langwierige, frustrierende Such- und Kaufprozesse der Vergangenheit an. Folglich schließen deine Kunden mit Voice Commerce ihre Kaufvorgänge auf direktem Weg deutlich schneller und mit einem positiven Gefühl ab.

  • Schnelligkeit

Zusätzlich sparen deine Kunden wertvolle Zeit, da beim Voice Shopping das Einloggen in den Onlineshop und die Eingabe persönlicher Daten entfällt. Das sorgt nachhaltig für maximalen Einkaufskomfort.

  • Personalisierung

Voice Commerce ist einfach. Deshalb tendieren deine Kunden im Alltag dazu, häufiger via Sprachassistenten mit ihren Geräten zu interagieren. Dadurch lernen diese ständig mehr Informationen über ihre User und verarbeiten die individuellen Daten. Das Ziel dabei? Das Onlineerlebnis deiner Kunden zu personalisieren und folglich zu optimieren. Das gelingt dir vor allem, indem du Informationen zum Verbraucherverhalten, zu den Vorlieben und historische Daten deiner Kunden fortwährend sammelst. Denn diese Daten bilden deine Basis, um starke Produkt- und Marketingstrategien zu entwickeln. Somit setzt du dich langfristig gegen deine Wettbewerber durch und begeisterst gleichzeitig deine Kunden bei jedem einzelnen Einkauf.

 

Akzeptanz von Voice Commerce steigern

Doch neben den Vorteilen bringt die Voice Technologie für Onlinehändler auch einige Herausforderungen mit sich. Die wahrscheinlich größte Erfolgshürde ist die allgemeine Akzeptanz der Technologie – Stichwort Datenschutz. Deshalb gilt es, das Nutzervertrauen in die Technologie generell zu stärken und Ängste abzubauen: Erkennen Alexa und Co. abseits der Sprachbefehle weitere Geräusche? Werden neben der Spracherkennung private Daten gespeichert – und wer hat darauf Zugriff? Das sind berechtigte Fragen, die hauptsächlich von den großen Anbietern wie Amazon und Co. Antworten verlangen. Darüber hinaus ist generell Aufklärung notwendig, damit die öffentliche Meinung endgültig in Richtung Akzeptanz umschlägt.

 

Amazon, Apple und Google: volle Kontrolle über Marketing mit Sprachassistenten

Wenn du die Spracherkennung in deine Apps oder deinen Onlineshop integrierst, können deine Nutzerinnen und Nutzer die Funktionen über die gängigen Sprachassistenten nutzen. Damit gibst du jedoch auch die Kontrolle über den Kundenzugang an Amazon, Apple oder Google ab.

Zusätzlich solltest du für einen erfolgreichen Einsatz von Spracherkennung die Marketing-, Vertriebs- und Backendprozesse deines Unternehmens anpassen – denn durch Voice Commerce verändert sich die gesamte Customer Journey. Dementsprechend gilt es nicht nur deinen Shop, deine Website oder deine App, sondern dein Unternehmen ganzheitlich auf die Spracherkennung auszurichten.

 

„Hey Google, talk to Walmart“

Voice_commerce_WALTMART

Smart Speaker und Smartphone mit Walmart Assistant

Walmart kooperiert bereits mit Google, um seinen Kunden den sprachgesteuerten Lebensmitteleinkauf zu ermöglichen. Wie das abläuft? Die Sprachbestellungsfunktion von Walmart funktioniert auf allen Geräten, die von Google Assistant unterstützt werden – beispielsweise Smartphones, Smartwatches oder Smart Speaker von Google oder externen Anbietern. Darüber können Kunden den Walmart Assistent bequem durch den Sprachbefehl „Hey Google, talk to Walmart“ aktivieren. Einzige Voraussetzung: Der Walmart Assistant ist in dem jeweiligen Zielland verfügbar. Anschließend nennen Kunden dem Assistenten die gewünschten Artikel. Der Assistent fügt diese zum Warenkorb hinzu. Dabei verarbeitet der Voice Commerce von Walmart kundenspezifische Daten und personalisiert die Einkäufe.

Wenn ein Kunde beispielsweise den Sprachbefehl „Milch hinzufügen“ erteilt, landet nicht einfach eine beliebige Milch im Warenkorb. Sondern die Technologie wählt die Milch aus, die der Kunde regelmäßig kauft. Doch statt dem ausführlichen Befehl „einen halben Liter einprozentige fettarme Bio-Milch hinzufügen“ genügt lediglich „Milch hinzufügen“. Denn der Assistent wird mit jeder Nutzung intelligenter.

 

Riesiges ungenutztes Potenzial auf dem deutschen Markt

Die Technologie ist in den USA bereits weit verbreitet – in Europa steht ihre Entwicklung erst am Anfang. Laut der Kurzstudie von ECC Köln und SAP Hybrids haben in Deutschland 87 Prozent der 14- bis 19-Jährigen Sprachsteuerung schon einmal verwendet. Knapp die Hälfte von ihnen nutzt Sprachsteuerung regelmäßig. Bei den 20- bis 69-Jährigen sind es nur noch 44 Prozent. Aufgrund der derzeit geringen Nutzerbasis warten noch viele Onlinehändler mit der Einführung von Spracherkennung. Deshalb steckt hierzulande in Voice Commerce noch enormes, bisher ungenutztes Potenzial. Aber nicht mehr lange! Denn auch in Deutschland soll der Trend sowohl den E-Commerce als auch den stationären Handel revolutionieren. Erwartungsgemäß wächst der globale Markt bereits bis 2022 jährlich um durchschnittlich mehr als 30 Prozent.

 

Fazit

Aktuell eignen sich nur wenige Branchen für die „per Sprachbefehl bestellen“ Funktion. Beispielsweise ist Voice Commerce beim Kleidungskauf schwierig, da Kunden das Produkt vor dem Einkauf zunächst sehen möchten. Dafür werden Sprachassistenten in Zukunft auch mit einer Videofunktion ausgestattet – Amazon Echo Show macht’s vor. Fest steht, dass Voice Commerce die Zukunft maßgeblich gestalten und den E-Commerce bereichsübergreifend verändern wird.

Bevor du in entsprechende Systeme, Ressourcen oder Mitarbeiter investiert, solltest du jedoch herausfinden, welche Optionen und Möglichkeiten Voice Commerce speziell deinem Unternehmen bietet. Die zentrale Fragestellung ist: Wie passt Voice Commerce in dein Geschäftsmodell? Dafür ist es auch wichtig, individuelle Risiken und Chancen abzuwägen – hier sind deine Kundenstrukturen ausschlaggebend. Möchtest du mehr darüber erfahren, was VUI für dein Geschäftsfeld bedeuten oder welche direkten Konsequenzen die Entwicklung mit sich zieht? Hast du Fragen rund um das Thema Voice Commerce oder benötigst Unterstützung bei der Umsetzung? Dann wende dich für eine unverbindliche Beratung an uns! Unsere E-Commerce Experten unterstützen dich gern bei deinem digitalen Vorhaben.

Tags: E-Commerce